Donnerstag, 11. Dezember 2014

CFS/ME: Einsichten & Ansichten

Je länger je mehr komme ich zu der Überzeugung, dass (ganz besonders emotionaler) Stress zu CFS führt. Es fällt mir nicht leicht, dieses Statement zu machen, da ich auch lieber hätte, dass ein körperliches Problem die Krankheit auslöst und diese einfacher zu behandeln wäre. Ich denke, der Weg zum gesund werden - jedenfalls für mich - funktioniert wirklich nur über Anpassungen der Lebensführung, äusserlich wie innerlich. Ich wollte das lange nicht hören und sehen ... Aber ich habe bis heute von keiner Genesung gelesen, die nur über NEMs, Pacing, Medikamenten oder Gabe von hochdosierten Vitaminen passiert wäre.

Hier also mein persönliches "Rezept", vielleicht macht das eine oder andere für euch auch Sinn.

1. Gedanken & Überzeugungen
Die negative Gedankenspirale unterbrechen. Nicht Nonstop über Symptome nachdenken, grübeln, sich Sorgen machen. Wenn ich darauf achte merke ich, dass ich fast ununterbrochen über CFS nachdenke und somit in dieser Gedankenschlaufe stecken bleibe und weiter Benzin ins Feuer giesse. Diesen Gedanken nicht nachzugeben, scheint mir das Schwierigste an der ganzen Krankheit zu sein. Hierbei finde ich, dass das Gupta Programm sehr hilfreich ist. Es bietet einfache Tools an, gibt Hoffnung auf Heilung und plausible Erklärungen über die Entstehung von CFS. Ich habe durch dieses Programm endlich das Gefühl aktiv etwas tun zu können. 
2. Eine Auszeit nehmen (muss nicht von der Arbeit sein)
Versuchen, sich eine zeitlang so wenig Verpflichtungen wie möglich aufzubürden und sich nicht unter Druck zu setzen. Sich selbst die absolut 1. Priorität einräumen, alles andere kann warten. Die "Stresstoleranz" langsam wieder aufbauen. Sofort stoppen wenn Ängste und Nervosität auftauchen. Zu lange am Computer zu sitzen, ist keine gute Wahl, Socken stricken dagegen schon :-) 
3. Akzeptieren was momentan ist 
Die Symptome akzeptieren wie sie sind. So viel tun wie möglich und nicht mehr. Darauf vertrauen, dass der Faktor Zeit für uns spielt, meistens wird die Krankheit nicht schlimmer! Glaubt an die Genesung, denn es wird aufwärts gehen. Es bringt überhaupt nichts, sich gegen CFS zu stemmen. Im Elend zu suhlen hilft aber auch nicht. Sich so gut wie möglich ablenken, die Konzentration zB aufs Abwaschen lenken (darf natürlich auch etwas erfreulicheres sein).
4. Meditieren
Ja, es ist manchmal  s e h r  langweilig und zeitweise kann ich das Wort Meditation nicht mehr hören. Aber zur Ruhe kommen, die Gedanken besänftigen und richtig atmen ist eminent wichtig und wenn ich mich überwunden habe, bringt es immer Linderung. 

5. Aktivität
Wenn sich der Zustand etwas bessert, versuchen in kleinen Schritten mehr zu tun. Ob ein kurzer Spaziergang, einen Kaffee trinken gehen, eine Shoppingtour machen, mal wieder ins Kino und Freunde treffen. Ich habe gemerkt, dass die Angst vor Aktivitäten immer grösser wurde je weniger ich gemacht habe. Es gibt Vertrauen, sich wieder etwas zuzutrauen. Ich bin zwischendurch über meine (selbstauferlegten) Grenzen gegangen und meistens waren die Nachwirkungen nicht so arg wie befürchtet und ich fasste Vertrauen in meinen Körper.
6. Nahrungsmittelergänzung &Vitamine
Ich habe unzählige ausprobiert aber wirklich geholfen hat nichts. Es ist natürlich auch schwer zu sagen was wann hilft. Es kann sicher nicht schaden, die Speicher aufzufüllen besonders mit den B Vitaminen, D, Eisen etc. Mir hat es insofern geholfen, dass ich das Gefühl hatte, überhaupt etwas zu tun und nicht bloss tatenlos darauf zu warten, dass es mal aufwärts geht. Der psychologische Effekt ist sicher nicht zu unterschätzen.

Alles in allem hat mir wohl eine Kombination aus Zeit / Aktivitätsaufbau / Meditation / Gupta Programm am meisten geholfen.

Viel Erfolg auf eurem Genesungsweg!
Christine


Kommentare:

  1. hallo christine, ich habe von heute von deinem blog erfahren. ja es ist wirklich ein alptraum!!! so wie du schreibst, dh. deine einstellung zu der krankheit, da bin ich sicher dass du zu denen gehörst die es da wieder raus schaffen!!!! dass dir deine arbeit sehr wichtig ist, versteh ich sehr gut, im zweifel würd ich aber raten, zugunsten des körpers zu entscheiden... ich hab damals auch lange versucht weiterzumachen... bis es gar nicht mehr ging.. manchmal ist eine vorübergehende auszeit dann doch besser. ich wünsche dir weiterhin viel viel kraft und alles liebe!!!!

    PS: ich habs schon einmal rausgeschafft, kenne also meine eigene erfolgsgeschichte.. hatte nun rückfall und hoffe sehr dass ich bald von meiner zweiten berichten kann ;-))

    mir hat damals als auch heute fast das gleiche wie dir geholfen: zeit, aktivitätsaufbau, gupta (am meisten) und statt medidation mein hochdosiertes salz und vitamin c (allerdings über zwei jahre lang eingenommen). aber gupta war das herzstück...

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    1. Liebe Bianca, herzlichen Dank für deinen Kommentar und die aufmunternden Worte!
      Ich zweifle oft (und tue es immer noch) ob sich der Kampf und das Durchbeissen lohnt. Andererseits gibt mir die Arbeit Struktur und lenkt mich ab. Ich denke nicht, dass eine Auszeit von zB 6 Monaten meine Genesung beschleunigt hätte.
      Ich wünsche dir von Herzen, dass es bald wieder aufwärts geht . Es ist bitter, das Leben ein zweites Mal auf Eis legen zu müssen. Bleiben wir bei unserem (wie du so treffend sagst) Herzstück, ich wünsch dir dabei Mut und Zuversicht.
      Alles, alles Gute. Christine

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Beitrag zu CFS im NDR

kurzer, informativer Beitrag zu CFS. link zur Sendung